Landeskonservatorin Dr. Susanne Fischer besucht die Memminger Kramerzunft

20.12.2021 Memmingen. Wie bedeutend ist die Memminger Kramerzunft? Hat das Jahrhunderte alte Gebäude, das untrennbar verbunden ist mit den Geschehnissen des Jahres 1525, eine Bedeutung von nationaler Tragweite?

Diese wichtige Frage wurde bei einem Besuch von Landeskonservatorin Dr. Susanne Fischer (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege) gemeinsam mit Oberbürgermeister Manfred Schilder, Staatsminister Klaus Holetschek, Heimatpfleger Dr. Wolfram Arlart, Gottfried Voigt, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Memmingen-Unterallgäu und Vertretern der Stadtverwaltung erörtert.

Seit dem Mittelalter hat das Gebäude der Kramerzunft viele Umbauten erfahren. Von 1525 ist in erster Linie die Holzdecke in der Zunftstube erhalten. „Doch das immaterielle Erbe, der Geist des Ringens um die grundlegenden Menschenrechte, ist das Entscheidende, das im Gebäude der Kramerzunft historisch verortet ist“, betonte Oberbürgermeister Manfred Schilder.

Ortstermin in der Kramerzunft (v.l.): Oberbürgermeister Manfred Schilder, Staatsminister Klaus Holetschek und Landeskonservatorin Dr. Susanne Fischer vom Landesamt für Denkmalpflege. Die historische Stiege vom ersten Stock zum Dachstuhl wird aktuell nicht genutzt. (Foto Alexandra Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen)

Dr. Susanne Fischer stimmte dem nachdrücklich zu, der Fall der Kramerzunft werde im Landesamt für Denkmalpflege behandelt werden. „Ein Denkmal definiert sich immer über beides, das materielle und das immaterielle Erbe“, betonte Dr. Fischer. „Für die Zukunft ist die Kramerzunft der ideale Ort, um Demokratiegeschichte erlebbar zu machen“, bekräftigte Staatsminister Klaus Holetschek.

Die Zusammenkünfte der oberschwäbischen Bauern in der Kramerzunft im Jahr 1525, ihr Ringen um die Freiheitsrechte und die Niederschrift der Zwölf Artikel sei ein Zündfunke von europäischer Tragweite gewesen, betonte Heimatpfleger Dr. Wolfram Arlart. Er führte zudem die städtebauliche Bedeutung des Gebäudes der Kramerzunft aus, das an zwei Plätzen liegt, dem Weinmarkt und dem Rossmarkt.

Das immaterielle Erbe der historischen Geschehnisse des Jahres 1525, die sich weitgehend in der Kramerzunft ereigneten, ist Grundlage für den Titel „Stadt der Freiheitsrechte“, den die Stadt Memmingen führt, und für vieles, das das historische Ereignis heute mit Leben füllt:

Der Memminger Freiheitspreis wurde im Jahr 2000 initiiert und bis heute vier Mal verliehen. Der Stadtrat hat das wegweisende Memminger Manifest verabschiedet. Memmingen ist als „Ort der Demokratie in Bayern“ benannt und ist Mitglied in der bundesweit agierenden Arbeitsgemeinschaft „Orte der Demokratiegeschichte“.


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